Deathfest in Berlin vom 16.-18. Januar 2026
Ein persönlicher Einblick von unserem Mitglied Julia Drews
Ich fahr so gern aus dem deutlich beschaulicheren Bremen in das pulsierende Berlin. So auch am kalten Morgen des 16.Januars 2026 um das DeathFest Berlin zu besuchen. Veranstalter ist offenbar ein Choreograf, Felix Ruckert mit seiner „Gemeinde“. Schon bei der Anmeldung schriftlich fühl ich mich professionell, und wertschätzend willkommen geheissen von echten Menschen. Und ebenso vor Ort im Säälchen, einem ungewöhnlichen Veranstaltungsort an der Spree inmitten Baustellen und geleckten, glasverkleideten Klotzgebäuden. Ich hatte mir eher eine distanzierte Messe mit warmen Elementen vorgestellt. Das stellt sich anders dar. Hier wirkt die geballte Energie einer kreativen, chaotischen eigenen bubble. Alle Besucher lassen ihre Schuhe, Wintermäntel, Gepäck im Keller an einer unbewachten Garderobe, denn irgendwie steigen wir jetzt ein in eine Community. In eine Reise mit Gleichgesinnten in Sicherheit und Wärme. Es ist sehr gut geheizt, im Laufe des Tages lege ich immer mehr Kleidungsstücke ab. Es duftet nach ayurvedischen Gewürzen, denn zentral an der Bar wird lecker gekocht, man kann jederzeit Suppe, Tee, Dessert erwerben, dass durchgängig frisch gekocht, in Töpfen gerührt, verkauft wird. Die Location, ein Theater, ist zunächst unübersichtlich für mich. Es gibt eine Galerie, von der man sich einen Überblick verschaffen kann. Auf der Hauptveranstaltungsfläche bewegen sich Menschen zu Musik, während eine von ihnen Vorschläge ruft. Inmitten des Gewusels steht ein sehr grosser Tisch mit Naturmaterialien, Fimo und Farben, an dem 1-2 Menschen Andere betreuen, die Kunstarbeit machen möchten. Auf der Galerie liegen Bücher und Matratzen. Das Programm beschreibt einen Mix aus Vorträgen und Selbsterfahrung. Gleichzeitig finden drei Veranstaltungen statt in drei sehr unterschiedlichen Räumen. Ich entscheide mich für einen Vortrag von Mathias Gockel, den ich schon in Claudia Cardinals Podcast schätzen gelernt hatte. Es geht laut umfangreichem Programm um Orientierung im Dschungel der letzten Dinge – von Hospiz bis SAPV. Ein gemächlicher Einstieg. Da fühl ich mich auf sicherem Boden. Was Mathias erzählt ist mir nicht fremd, eher ein Finetuning. Dann trau ich mich in „Kleine Trauer“ bei Anna Natt. Es geht um die Trauer im Vorbeigehen um jemand den oder die ich so gut wie nicht kenne, die mich aber trotzdem so ergreift, dass ich mich frage, wo sitzt da der Schmerz? Und steht mir dies Mass an Trauer überhaupt zu? Anna erzählt von sich, wir gehen in Kleingruppen und erzählen uns von unseren kleinen Trauern. An dieser Stelle steige ich richtig ein ins DeathFest. Ich erzähle diesen zunächst fremden Menschen eine Geschichte, die mich seit über 20 Jahren begleitet und von der ich nicht wusste, das sie noch immer so aktuell ist, wie am ersten Tag. Bekomme Feedback. Am kommenden Tag besuche ich einen Kunstworkshop, bei dem ich ein Kunstwerk anfertige für die Person in der Geschichte und habe einen sehr intensiven Austausch über unsere Trauerverarbeitende Kunst mit einer Teilnehmenden. Direkt im Anschluss wird tatsächlich ein Workshop über Suizid angeboten, den ich besuche, weil auch er zu meiner Geschichte passt. Und auch dort habe ich spannenden Input zu dem Thema und intensiven Austausch inclusive Mini-Abschiedsritual für die Person aus meiner Geschichte. Jetzt ist es rund für mich und wirkt noch lange nach, auch als ich schon wieder in Bremen im Alltag eingetaucht bin. Ich finde das DeathFest Berlin ausserordentlich bereichernd, auch wenn man nicht so tief einsteigt. Es gibt Angebote über Klageweiber zum Mitlamentieren, Probesterben in der Kleingruppe, einen Vortrag über Bestattungsrituale, jederzeit Beistand, falls einen Trauer, Angst oder andere heftige Gefühle wegzuspülen drohten und vieles andere mehr. Ich fühlte mich sehr gut aufgehoben, inspiriert, weiterentwickelt und erschöpft. Ich komme wieder!
www.deathfest.berlin
